So, Zeit für ein kleines Zwischenfazit nach knapp 4 Jahren und rund 90 Tkm ...
An diversen Stellen hier im Forum habe ich bereits von meinen Erfahrungen in speziellen Bereichen zwar gesprochen, will das Wesentliche aber nochmal hier gesammelt als Zwischenfazit für den schnellen Leser zusammenfassen.
Gesamtzufriedenheit
Insgesamt bin ich und meine Frau mit dem Camper nach wie vor sehr zufrieden. Am Markt findet sich im Moment in dieser sehr kompakten Grössenklasse kein besserer Camper - mit Hochdach - vom Raumgefühl und Praktikabilität. Das Preis-Leistungsverhältnis war bei diesem Modell noch recht gut. Bei dem aktuellen Modell bin ich da nicht mehr ganz so sicher ... Die Ausbauqualität von Westfalia ist bis auf einfach zu behebende Kleinigkeiten solide. Klappern tut es nach kleinen Verbesserungen nicht mehr, am meisten Geräusche verursachen die Plisses der Dachfenster auf schlechter Fahrbahn. Gut ist auch der relativ niedrige Verbrauch im langfristigen Durchschnitt von etwa 8,5 Litern/100 trotz hohem Gewicht und Hochdach. Die Motorleistung mit 185 PS bzw. 415 Nm ist absolut ausreichend. Nur das Schaltgetriebe ist vielleicht 10% zu lang übersetzt (gut für den Verbrauch im WLTP-Fahrzyklus), sodass man trotz hohem Drehmoment unnötig schalten muss, denn richtiger Ladedruck liegt erst >1.500 U/min an. Da muss man darüber bleiben, sofern man Kraft benötigt. Automatbesitzer haben es da einfacher.
Mängel
Probleme am Basisfahrzeug gab es wenige, aber die waren dafür sehr teuer: Ein neuer Motor inkl. Turbolader und Hochdruckpumpe nach 55 Tkm (Werksgarantie, sonst hätte es rund 15.000 gekostet) und das Getriebe wegen eines Lagergeräuschs bei 68 Tkm (Kulanz mit 42% Eigenbeteiligung). Letzteres hat noch rund 2.700 gekostet, weil eben keine Garantieverlängerung vorhanden ...
Nun, deshalb bin ich nicht unzufriedener geworden, es kann statistisch eben sein, denn das Unwahrscheinliche einer solchen Schadenshäufung an zentralen Komponenten kommt schon mal vor, dummerweise bei unserem Fahrzeug

. Ist aber auch das erste Mal in Jahrzehnten.
Was könnte besser sein ?
Am Ausbau aus meiner Sicht wenig, die Betriebssicherheit des Dometic Bedienteils bei hohen Temperaturen aber ganz sicher.
Dafür einiges am Basisfahrzeug:
Nicht so gut - im Vergleich zur direkten Konkurrenz in dieser Fahrzeugklasse (VW, Mercedes) - sind die Dämmung der Fahrgeräusche, insbesondere der Abrollgeräusche (natürlich auch vom Reifen abhängig), sowie die allgemeine Schalldämmung und Entdröhnung der Metallkarosserie.
Aber auch eine bessere Rostvorsorge in Form von Nahtabdichtungen und Wachsbehandlung am unteren, nicht so sichtbaren Teil der Karosserie fehlt. Hier hält sich Ford doch sehr zurück, denn es gibt sehr viele nicht abgedeckte Schnittkanten, wo keine Verzinkung mehr ist und auch sehr viele Blechüberlappungen. Die Hohlraumkonservierung ist sehr sparsam und ungleichmässig. Eine nachträgliche Konservierung ist deshalb dann sehr wichtig, wenn man das Fahrzeug ganzjährig auch bei viel (Feucht)Salz auf den Strassen nutzt. Bei reiner Sommernutzung fände ich das ganz nicht so relevant.
Die Fahreigenschaften sind zwar ok, aber durch das sehr hohe Gewicht (ohne weitere Beladung rund 2,9t beim Nugget Plus HD) merkt man deutlich, dass Federung und Dämpfung seitens Ford
nicht an das hohe "Leer"gewicht angepasst wurden und daher im letzten Viertel ihrer technischen Möglichkeiten arbeiten. Vor allem der Federweg ist deshalb schon viel zu gering und das Fahrverhalten geht - wie bei hoher Beladung üblich - folglich ins schwammige bzw. die Federung geht auch gerne mal in die Anschläge. Wären es vielleicht nur 2,4 bis 2,6 t, wäre das sicher fühlbar besser.
Die Möglichkeiten dieses nachträglich zu verbessern sind beim Ford Transit Custom im Vergleich zum VW T6 jedoch sehr viel geringer, weil hier einfach wenig Fahrwerkstechnik vom Aftermarkt angeboten wird (hat halt keine Fanbase und Kultstatus - ausserhalb vielleicht UK). Straffere Stossdämpfer (z.B. Bilstein B6) und Zusatzfedern hinten (Spiral oder Luft) hinten helfen aber schon. Verstärkte Federn mit mehr Federweg für vorne gibt es nach meinen Kenntnissen leider nicht. Eigentlich hätte das Fahrwerk schon ab Werk für das mit dem Ausbau viel höhere "Leer"gewicht ausgelegt werden müssen, jedoch wird dies für Ford und den wenigen Fahrzeugen, die zu einem Nugget umgebaut werden, offensichtlich zu viel Aufwand sein (ist bei der Konkurrenz aber auch nicht anders).
Zum Schluss - der Zahnriemen in Öl ...
Dies sehe ich nicht ganz so kritisch: Der "Belt in Oil" ist selbstverständlich für den Betrieb im Motoröl ausgelegt und hält das auch aus. Aber er ist empfindlich für zuviel Kraftstoff im Motoröl (z.B. durch Defekte an den Einspritzdüsen), denn zuviel Kraftstoff greift das Gummi an. Auch die mit der Zeit zunehmende Versauerung des Motoröls durch die Verbrennungsrückstände, die zwangsläufig immer ins Öl kommen.
Von Ford freigegebenes Motoröl (5W-30 WSS-M2C913-D oder 0W-30 WSS-M2C950-A) enthält deshalb die erforderlichen Additive. Doch diese Additive verbrauchen sich chemisch mit der Zeit und dann steigt der Motorverschleiss grundsätzlich stark an. Hier kommen wir zum Thema Wechselintervall: Viele Motorenleute und auch ich sehen die wesentliche Vorbeugung darin, das Öl max. ein Jahr bzw. höchstens 15-20 Tkm (oder eben 250-300 Betriebsstunden) im Motor zu lassen (bei viel Kurzstrecken auch deutlich weniger km), egal was die Intervallanzeige sagt. Neues Motoröl mit wieder funktionsfähigen Additiven ist immer das beste für den Motor allgemein, aber eben auch den Zahnriemen. Dann kann man den Zahnriemen
nach meiner Meinung und eigenes Risiko auch 10 Jahre oder bis 240.000 km fahren, wie von Ford ursprünglich ja vorgesehen.
Die Kosten für einen häufigeren Ölwechsel sind - vor allem, wenn man es selbst machen kann und will - super gering, weniger als eine Tankfüllung (10l Motoröl mit Ford-Freigabe ca. 70€, Ölfilter 10€). In einer freien Werkstatt oder Oilcenter auch nicht so viel höher.
Update folgt irgendwann